Olne-Spa-Olne-20100411_13-00-59Thomas K. und Werner haben sich am vergangenen Sonntag aufgemacht, um in den Ardennen am legendären Olne-Spa-Olne teilzunehmen. Dabei stehen verschieden lange Strecken zur Auswahl, die man sowohl mit als auch ohne Zeitnahme fahren kann. Thomas hat dazu einen ausführlichen Bericht geschrieben. Vielen Dank dafür Thomas.

Wir sind zurück aus Belgien.  Wir waren zwar nicht ganz so früh wie Du heute unterwegs, aber mein MTB-Tag fing um 7:30 Uhr an: Abfahrt in Richtung Rickelrath zu Werner.  Dort sind wir dann pünktlich um 7:50 Uhr bei strahlendem Sonnenschein mit Werners T4 in Richtung Ardennen aufgebrochen.  Auf Höhe Aachen war es dann vorbei mit Sonne und das Thermometer an einer Apotheke in Olne zeigte +2°C an.  Trotzdem war der Parkplatz schon voll und wir mussten in einer Seitenstrasse parken.  Zum Glück hatte ich noch mein langes Trikot mit Windstoppereinsatz dabei, das ich erstmal über das kurzärmelige Trikot drüber gezogen habe.  Dann zur Einschreibung, wo der größte Ansturm anscheinend schon durch war.  Wir haben dann noch einen Bekannten von Werner getroffen, der aber "nur" die 55er Runde fahren wollte.  Wir haben dann noch ein paar Minuten gewartet, bis der zweite Pulk Fahrer an dem Morgen mit Zeitnahme gestartet war.  Den Jungs wollten wir nicht im Weg stehen - weise Entscheidung.  Also sind wir um kurz nach 8:30 Uhr auf die Strecke.
 
Olne-Spa-Olne-20100411_14-01-00Anfangs ging es noch sehr harmlos über Forstautobahnen und Asphalt. Eine kleine nette Abfahrt war auch schon dabei.  Nach etwa 8km mussten wir dann Wartemarken ziehen.  Vor uns stand ein Pulk von etwa 30-40 Fahrern, die von der breiten Straße auf einen sehr schmalen Singeltrail wollten.  Was wir von dieser Position aus noch nicht sehen konnten, war der Grund für den Rückstau.  Der Trail verlief auf einer Höhenlinie und war nach links dermaßen abschüssig, dass man an einigen Stellen auf dem glatten Boden abgerutscht wäre.  Tief hätte man nicht fallen können.  Der Stacheldrahtzaun hätte einen wahrscheinlich aufgefangen.  Es ist schon der Hammer, was die Belgier in eine offizielle CTF so reinpacken.  Etwas später folgte dann eine recht kniffelige Abfahrt.  Die Fahrerin vor mir ist in der unteren Passage übel gestürzt.  Unten kam man an einer Landstraße an.  Dort habe ich dann auf Werner gewartet, den ich relativ kurz hinter mir wähnte.  Es kam aber nur sein Bekannter, der von einem Platten bei Werner kurz vor der Abfahrt berichtete.  Also warten, kann ja nicht so lange dauern einen Platten zu flicken.  Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, Werner hatte ein massives Problem mit seinem Platten. Er hat darauf zwei Schläuche verbraten und musste dann aufgeben, weil er den Grund für die Platten nicht finden konnte.  Daher war für Werner schon nach 10km Feierabend und die Rückfahrt zum Start angesagt.  Nach gefühlten 2 Stunden wollte ich nicht mehr an der Straße unten warten.  Inzwischen war ich auch durchgefroren.  Das Warten war aber sehr interessant.  Zwischendurch kam der nächste Pulk Zeitfahrer durch (die sind alle 30 Minuten gestartet): Ich kann Euch
sagen, das ist eine ganz andere Liga.  Da wo die "normalen" Biker ehrfurchtsvoll die "kniffelige" Abfahrt runter gerollt sind, kamen
die Jungs auf ihren Hardtails angeschossen.  Unten auf der Straße angekommen machte es nur klack, klack, klack - Kette ganz rechts,
kurz ein paar Kurbelumdrehungen Wiegeschritt zum Hochbeschleunigen und mit einem Affenzahn die Straße hoch - extrem beeindruckend.
 
Olne-Spa-Olne-20100411_12-54-06Ich bin dann eher gemütlich weiter.  Die ganze Strecke war ein stetiges Auf und Ab.  Meist mit Steigungen>15% und die erste
Grundregel der Ardennen hat sich auch wieder bewahrheitet.  Ein Anstieg kann immer noch weiter gehen und er kann immer noch steiler werden. Bei Theux kamen wir an einer rustikalen Burg vorbei. Dahinter ging es dann runter an den Ortsrand.  Hinter Theux folgte ein langer Abschnitt durch Wald, der bis an den Rand von Spa ging. Auch hier immer wieder knackige Anstiege und teilweise verblockte und glitschige Abfahrten.  Das führt mich zu der zweiten Grundregel in den Ardennen.  Wege im Wald sind immer matschig und nass.
 
Von Spa aus stand jetzt quasi nur noch der Rückweg an.  Insgeheim hatte ich auf einen etwas weniger anspruchsvollen zweiten Teil
gehofft - aber wir kennen ja die Belgier.  Bei einer Straßenüberquerung mit insgesamt vier (in Zahlen 4) Helfern wurde man
zwischen zwei Häusern in eine völlig unscheinbare "Einfahrt" geleitet.  Und da war es wieder, mein Dejavu.  Diese Stelle kannte
ich bereits von unserer kleinen Ausfahrt mit den Velosophen im letzten Jahr.  Da hatten wir uns die Hacken nach diesem Einstieg
abgesucht.  Es folgte die Bachdurchfahrt, die ich Euch schon als Appetithappen ins Forum gestellt habe.  Nur war die Durchfahrt nicht
quer, sondern längs.  Danach wieder ein nicht enden wollender Anstieg auf dem kleinen Blatt.Olne-Spa-Olne-20100411_13-01-08
 
Weiter ging der Kurs dann westlich an Theux vorbei.  Ich hatte kurz mit dem Gedanken gespielt, zu diesem wunderbaren Cafe in Theux mit dem leckeren Reisfla abzudrehen.  Es gab zwar insgesamt vier (in Zahlen 4) Verpflegungen.  Davon waren aber drei (in Zahlen 3) leer gefressen.  Ich habe nur an der zweiten Verpflegung eine lausige Waffel verspeist.  Trinkbecher gab es auch keine mehr.  Man konnte nur an ein paar Apfelsinen lutschen.  Ich bin dann aber ohne Reisfla mit meiner Aldi-Dachpappe und einer Trinkflasche irgendwie durch gekommen.  Ach so, fast vergessen.  Ich habe mich irgendwann an einem nicht enden wollenden Anstieg den Belgiern angepasst und meine Jacke ausgezogen und auf dem Rücken unter dem kurzärmeligen Trikot verstaut.  Ich glaube, dass war meine erste Tour mit Kurzarm bei Temperaturen zwischen 2°C und max 6°C.
 
Bei km65 war ich geistig schon unter der Dusche.  Aber die Belgier hatten noch ein kleines Schmankerl eingebaut.  Von einer Landstraße ging es rechts zunächst mit moderater Steigung hoch.  Nach einer weiteren Rechtskurve konnte man dann das Elend sehen.  Steil, verblockt, nass und glitschig.  Mit anderen Worten: Unfahrbar.  Hier sind ALLE abgestiegen.  Ein Belgier hat es trotzdem versucht da hoch zu kommen.  Resultat: Kette gerissen!  Und dieser Anstieg war natürlich auch nicht kurz.  Zwischendurch konnte man mal für 50m kontrolliert nicht umfallen (fahren wäre zu viel gesagt).  Aber nur um dann wieder abzusteigen und zu schieben.  Weiter Olne-Spa-Olne-20100411_14-25-21oben ging dieser "Weg" dann auch mal in einen kleinen Bach über.  Ich glaube, dass an dieser Stelle einige Leute bereut haben heute Morgen nicht einfach im Bett geblieben zu sein.
 
O.K.  Aber das muss es ja jetzt gewesen sein.  Nur noch wenige km bis zum Ziel!  Und damit kommen wir zum dritten Grundsatz der Ardennen. Entfernungen sagen nichts aus.  3km vor dem Ziel gab es noch eine wunderschöne, lange, flowige Abfahrt.  Nur leider endete diese Abfahrt nicht in Olne sondern gaaaaaanz unten im Tal.  Nur noch ein (in Zahlen 1) km aber über 100 Hm waren es jetzt bis zum Ziel.  Der Parkplatz war inzwischen fast leer gefegt.  Am Ende waren es dann doch nicht so viele 72er und die Zeitfahrer waren wahrscheinlich schon zu Hause.  Erste Amtshandlung im Ziel: Werner suchen!  Der arme Kerl hat über zwei Stunden in seinem T4 gewartet bzw. Sightseeing im mondänen Olne gemacht (Au sch.... ich habe gerade beim Schreiben einen Oberschenkelkrampf gehabt, aua).  Immerhin konnte Werner eine der äußerst geschmackvollen Grillwürstchen am Ziel verspeisen.
 
Das ganze dann noch der Vollständigkeit halber in Zahlen:
 
Gesamtdistanz:        72,88km                      Höhenmeter:            ca. 1.900                         Fahrzeit:                4:42
 

Fazit:  Es war (wie erwartet) hart.  Mit dem Heuvelland verbindet mich eine Art "Liebe".  Mit den Ardennen verbindet mich eine Art
"Hassliebe".

--------------------Ende des Berichts von Thomas------------------

Und um Thomas' Leistung nochmal zu unterstreichen zum Schluß noch ein Zitat von Werner aus unserem Forum:

Rainer hat sich auf meine Email gemeldet. Die 5o er Runde hat er nicht gefahren, sondern ist auf die 34 er abgebogen, da ihm die Kraft ausgegangen war. Er schrieb, dass er froh gewesen wäre, an seinem Auto angekommen zu sein. Völlig ausgepowert und erschöpft wollte er nur noch nach Hause. Selbst sei er einmal gestürzt, hätte sich zum Glück nicht verletzt. In einer Abfahrt wäre er an einem schwer gestürzten Biker vorbei gekommen. Rettungswagen rollte wohl auch an.

Thomas, nochmals Respekt
vor deine tolle Leistung, dass du die 70er Runde absolviert hast. Ich habe zwar noch nicht mal 1/3 der Strecke gefahren, aber dieser Abschnitt war schon sehr grenzwertig.

Zur Verdeutlichung des Auf und Ab's diesmal auch noch das Höhenprofil. Und wer sich die 73 Kilometer auch zutraut, kann den Track im .gpx-Format runterladen.

20100411-Olne-Spa-Olne-Hhenprofil