NRM20-20101101_09-29-17Heute nacht wurde ich wach, weil mir immer wieder und wieder die Bilder vom 1. November durch den Kopf gingen. Da wurde mir bewusst, dass ich endlich mal aufschreiben sollte, was mich nicht los ließ. Also, auf geht's!

Wir hatten in diesem Jahr noch keine MMM (MTB-Heinsberg-Mega-Miler) gefahren und hatten uns außerdem vorgenommen, den Regiontrack 15 "Niederrhein-Marathon" aus dem Jahr 2007 zu erneuern, weil einige Passagen mittlerweile nicht mehr fahrbar waren und man sowieso Gutes immer noch mal einen Tick besser machen kann. Was lag also näher, als beides unter einen Hut zu bringen. So viel Zeit blieb ja nicht mehr in diesem Jahr. Wir hatten uns den 31.10.2010 als Termin ausgeguckt, weil der 1.11., Allerheiligen, diesmal auf einen Montag fiel und wir somit genügend Zeit für einen Regenerationstag hatten. Die Enttäuschung war groß, als wir am Sonntagmorgen aus dem Fenster schauten und es Bindfäden regnete. Nein, das war kein Wetter für eine solche Tour. Wir entschlossen uns, trotz fehlendem Regenerationstag, die Tour um einen Tag zu verschieben. Die Wetteraussichten waren, zumindest was die Niederschlagsmenge betraf, ja gar nicht so schlecht. Dass uns an diesem Tag das Wettergrauen erwartete, konnten wir ja nicht ahnen. Am Morgen zeigte ein Blick aus dem Fenster ein waberndes Einheitsgrau, Nebel war aufgezogen. Das Grauen zeigte sich aber dann auf den ersten Singletrails. Der Regen des vorherigen Tages hatte die Trails total verschlammt. Na, das konnte ja heiter werden. Über 100 Kilometer mit einem Singletrail-Anteil von über 80% im Nebel auf total verschlammten Wegen hatten wir vor uns. 

 

NRM20-20101101_10-48-06Trotzdem trafen sich am Start in Brüggen-Born 6 Unverdrossene, eben echte Mountainbiker. Zuerst zu nennen, der berüchtigte Thomas K., der die Strecke in seinem Heimatrevier crossfree ausgekundschaftet hatte und unser heutiger Guide sein sollte. Dazu gesellte sich unser Langstreckenbiker Joe, der in solchem Terrain ja in diesem Jahr schon einschlägiger Erfahrungen hatte, Werner, der auch nicht gerade als Kurzstrecken-Junkie bekannt ist, Jochen, der bei einer Schwalm-Durchfahrt bereits bewiesen hat, dass ihm Nässe eher Freude bereit, sein niederländischer Freund Robert, mit dem wir schon einschlägige Erfahrungen bei der MMM2 in 2009 gemacht haben und den Jochen gerne "Schiffsdiesel" nennt und ich.

Thomas hatte den Singletrail-Anteil nochmals stark erhöht. Schon die ersten Kilometer zeigten, dass es heute kein Zuckerschlecken werden würde. Die üblichen Verdächtigen zogen das Tempo mal wieder so stark an, dass ich sie zurückpfeifen musste, damit am Ende bei allen noch mindestens ein Korn übrig war. Thomas K. hatte bei seiner Streckenplanung keinen Anstieg ausgelassen, den man irgendwie hochfahren konnte und so summierten sich die Höhenmeter am Ende auf über 1400 (!). Da sage noch einer, der Niederrhein wäre flach! Wo es aber hochgeht, geht es auch wieder runter und Thomas hatte tatsächlich einige knifflige Downhills mit eingebaut. Zwar meistens kurz, aber sie reichten zumindest aus, den einen oder anderen vorher überlegen zu lassen, ehe er sie runterfuhr. Und der eine oder andere hat auch dabei ins Moos gebissen. Es ist aber nichts Schlimmes passiert außer das wir nicht genau wussten, ob es deutsches oder niederländisches Moss war. Über die Süchtelner Höhen erreichten wir dann nach ca. 40 kräftezehrenden Kilometern Hinsbeck. Dort hatte Thomas das erste Catering in einer Bäckerei aufbauen lassen. Gerade noch rechtzeitig bevor die Türen zugemacht wurden, kamen wir dort an. Weiter ging es über die Hügel bei Hinsbeck und die Anstiege und Downhills bei Herongen. An einer Tankstelle konnten wir dann wieder unsere Vorräte auffüllen. Und das war auch dringend nötig. Die Mittagszeit war fast überschritten. Aber es kam ja schließlich noch was. Also wieder aufgesessen. Kurz danach mussten wir Werner verabschieden. Das Tretlager seines Bikes hatte sich gelöst. Den übrig gebliebenen 5 führte Thomas in Venlo vor, dass es auch innerstädtisch einige verborgene Singletrails gibt. 

Die Trails in der Jammerdalschen Heide mussten wir diesmal umfahren, weil sie mittlerweile für Mountainbiker gesperrt sind. Kurz hinter Tegelen haben wir dann leider Robert verloren, der plötzlich verschwunden war und trotz intensiver Suche auch verschwunden blieb. Glücklicherweise erreichte uns kurze Zeit später eine SMS, dass es Robert gut ging (soweit man nach ca. 75 Kilometern davon reden konnte) und er sich auf geradem Weg zum Weißen Stein aufgemacht hatte. Wir fuhren weiter auf krummen Singletrails durch die Schlucht. Dort verlor auch ich durch technische Probleme (kein Schalten auf das kleine Kettenblatt mehr möglich und die Schalthebel funktionieren auch nur noch widerwillig) den  Kontakt zu den anderen Bikern. Aber ich hatte ja den Track auf meinem Garmin und fuhr dann in meinem Tempo und mit dem einen oder anderen Mal schiebend oben an der Schlucht weiter. Ein Blick auf den Tacho zeigte, dass die magische 90 Kilometer-Marke, an der der "Weiße Stein" in Sichtweite rückte, immer näher kam. Im gleichen Maße wie ich mich diesem Zwischenziel näherte, wurden meine Kräfte immer weniger und so beschloß ich, es von dort aus über asphaltierte Wege durch das Depot ausklingen zu lassen. Bis zum Start/Ziel waren es noch ca. 10 Kilometer und ich war froh, als ich endlich meinen Smart, der mich nach Born gebracht hatte,  nach 100 Kilometern wiedersah. Wie ich später erfuhr, hatten Jochen und Robert auch den Weg durch das Depot genommen. Joe hat Thomas noch ein kleines Stück begleitet, ehe auch er vom Rad fiel. Nur Thomas hat wie er sagte "noch etwas die Beine durch die Schwalmauen locker gefahren", ehe er nach Absolvierung und "kleiner" Verlängerung der Runde die ganze geplante Strecke hinter sich hatte. 

Wer den ganzen Track mal nachfahren möchte, sollte sich darüber bewusst sein, dass er wahrscheinlich am Ende (so wie ich) keinen Singletrail mehr sehen kann und er sollte auch ganz genau die Wettervorhersagen und die Bodenverhältnisse studieren. Sonst wird es am Ende eine Quälerei. Und trotzdem möchte ich keinen Kilometer missen! Und wem das Quälen eben nicht so liegt, der kann natürlich auch individuell einzelne Streckabschnitte nachfahren und sich das drumherum dann selbst basteln. Ich verspreche euch, es lohnt sich.

Update: Am 20.10.2012 sind Joe und ich die Runde als Halb-Marathon, sprich 72 Kilometer bei ca. 600 Höhenmetern gefahren. Wem das besser gefällt, der kann im Tagebuch nachlesen wie es war und sich den Track runterladen.

DSCN0111Damit ihr nachvollziehen könnt, wie jeder einzelne es empfunden hat, zitiere ich im folgenden mal die Posts im internen Forum:

Erster !
War jetzt nicht gescheitert in den Ardennen, aber schon Kampf in Nebel, Schlamm und Schlucht.....
Eigentlich waren 108 geplant, ich hab aber die letzte Schleife von 16km weggelassen (Thomas und Joe haben sie noch mitgenommen, Respekt !) und hatte am Ende in Born am Parkplatz auch 107 auf der Uhr.....mir hat das definitiv gereicht. Robert hab ich am Weißen Stein wiedergefunden und so sind wir zusammen bis Schaag gefahren, wo Robert dann Richtung Dülken abgebogen ist. Die letzten 10km mit Tempo 30 haben noch nicht einmal mehr weh getan, weil ich schlicht nix mehr gespürt habe....war definitiv der härteste Ritt in diesem Jahr !!!
Wie geht es den anderen???
Jochen

Zweiter

Habe am Ende noch etwas die Beine in den Schwalmauen und um den Borner See locker gefahren. Sind so dann 113km zurück bis Born geworden. Das Garmin TC hat 1.400 Hm ausgespuckt.
Vielen Dank an alle fürs Mitfahren. Hat wie immer trotz Schlamm und Nebel super viel Spass gemacht mit Euch zu fahren. Das nächste mal fahren wir die Runde anders rum
Hallo Werner,

noch gut nach Hause gekommen?

Gruß

Thomas

Danke an alle für die "schöne" Runde, ich hoffe das wir uns nicht so schnell wiedersehen
@Robert: schön das es dir gut geht, habe mir echt Sorgen gemacht !

@Reinhard: naja, dass mit dem Umwerfer hab ich ja gesehen, aber das du mich mit den Jochen und Thomas alleine gelassen hast, da reden wir noch drüber !

@Werner: hat bei dir alles funktioniert ?, gut nach Hause gekommen ?

@Jochen: habe natürlich nicht mit Thomas mithalten können - obwohl er sicherlich schon auf Schongang umgeschaltet hatte - und habe kurz danach auch aufgegeben und bin auf direktem Weg nach Hause.

@Thomas: Danke für die schönen Trails und natürlich fürs "Kaputtfahren"

Am Ende waren es bei mir 109 km, 1207 hm und die letzten 15
hcm rauf auf meine Einfahrt haben dann besonders weh getan , ich war komplett platt !
Joe

das Bike hat mich noch ohne Problem nach Haverslohe gebracht.
Morgen werde ich mal schrauben. Wird wohl eine neues Tretlager-Gewinde (rechtsseitig) fällig sein, d.h. vorläufig Biketotalausfall.
Dank an unseren Scout und Planer
. Leider war das Wetter und die Bodenverhältnisse für dieses "Marathonunternehmen" grenzwertig.
In der Gruppe hat es dennoch Spass gemacht.
Hoffe, dass ich die CTF in Reuver mitfahren kann.

Gruß

Werner         

Bilder gibt es diesmal nicht so viele. Bei meinem Sturz in den Süchtelner Höhen ist das Display meiner Kamera gebrochen. Danach waren keine Fotos mehr möglich. Jochen hat mir mit ein paar Fotos ausgeholfen. Viele sind es aber nicht geworden, dafür war eben keine Kräfte mehr übrig. 

Die gpx-Datei (Link zum Runterladen) enthält diesmal 2 Tracks. Einmal den ganzen von Thomas gefahrenen Niederrhein-Marathon und zum zweiten die Abkürzung durch das Depot vom Weißen Stein bis Born. Wir sind den Track gegen den Uhrzeigersinn gefahren. An einigen Stellen sieht es so aus, als wenn er nicht crossfree ist. Ist er aber doch. An diesen Stellen bitte so weit reinzoomen wie möglich, dann sieht man es.