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Update: Am 5.8.2013 sind wir die Tour noch einmal gefahren. Den Bericht dazu inklusive vieler Bilder findet ihr im MTB-Heinsberg Tagebuch.

Bericht aus 2012: Gut 50 Ardennen-Kilometer mit ca. 1.000 Ardennen-Höhenmetern, nur 2 Anstiege und dafür dann kilometerlange Downhill-Passagen. Da könnte man den Eindruck bekommen, dass es eine gemütliche Tour war. War es auch, aber dafür gespickt mit etlichen fahrtechnischen Herausforderungen.

Aber der Reihe nach. Ein Projekt, dass mir schon lange im hinteren Gedankenwinkel hing, war eine Tour in den Ardennen, die an 3 Bächen vorbeiführt. In den diesjährigen Ardennen-Abenteuern war ich schon lange auf der Suche nach Möglichkeiten. Die Idee dahinter: Bäche und Flüsse laufen stets talwärts, also bergrunter. Am Ufer müssten also lange Passagen mit negativen Höhenmetern möglich sein. Dazu mussten wir natürlich zuerst mal Höhe gewinnen. Ich hatte es in den Ardennen-Abenteuern immer wieder versucht, das von Eupen aus hinzubekommen, musste aber mittlerweile erkennen, dass das auf Trails oder Schotterwegen schlicht nicht möglich ist.

 

Also plante ich um. Am besten sollte der Startpunkt am tiefsten Punkt der Strecke liegen. Dann hieß es zwar zuerst mal hochtreten, aber da hatte ja man noch alle Kräfte zusammen. Dafür geht's am Schluß nur noch runter. Ich fand diesen idealen Startpunkt in Royompré bei Spa. Bis dort habe ich bei gemütlicher Fahrweise ca. 75 Minuten mit dem Auto.

3-Baeche-2012-07-31_10-59-02-0079Und dort ging es um 9.00 Uhr los. Joe war schon gestern ca. 130 Kilometer mit dem Bike angereist und hatte sich eine hübsche kleine Pe3-Baeche-2012-07-31_10-58-52-0072nsion zum zweimaligen Übernachten ausgesucht. Wir trafen uns pünktlich am Startpunkt. Es begann standesgemäß gleich nach 50 Metern mit einer Bachdurchfahrt, ehe es dann die ersten Kilometer mit 3-4% Steigung nach oben ging. Die nächsten Kilometer taten dann etwas mehr weh. Das Gröbste ist dann aber nach ca. 9 Kilometern geschafft. Nach ca. 11 Kilometern entdeckten wir rechts abzweigend einen sehr vielversprechend aussehenden schmalen Pfad, der eigentlich nicht Teil des geplanten Tracks war.  Nach einem kurzen Check, ob wir uns damit nicht den "crossfree-Status" kaputt machen, konnten wir der Verlockung nicht widerstehen. Und es lohnte sich! An einem namenlosen Bächlein vorbei schlängelte sich ein wurzeliger Pfad. Wir mussten zwar immer wieder runter vom Rad, aber dafür entschädigte die fantastische Natur. Schließlich stand wir vor einem Zaun, konnten aber links vorbei und waren wenig später wieder auf den geplanten Track. Kurze Zeit später zweifelten wir, ob der Plan uns wirklich diesen fantastisch aussehenden Singletrail mit kleinen Holzbrücken präsentieren wollte. Es war tatsächlich so. Und weit und breit kein Bikeverbots-Schild. Das kam erst etwas später und das haben wir natürlich respektiert. 

Nach knapp 17 Kilometern erreichten wir den höchsten Punkt der Strecke (640 über NN) auf der breiten N68, der wir aber nur ein paar Meter folgten, ehe wir links in einen Schotterweg abzweigten. Einen Kilometer weiter heisst es dann gut aufpassen, weil der Track unvermittelt links zum ersten Bach, dem Bayehon abzweigt.  Über ca. 2,5 Kilometer zieht sich leicht abfallend ein sehr wurzeliger und mit dicken Ardennen-Kieseln durchsetzter Singletrail am Ufer des Bayehon vorbei. So ganz durchgehend ist der natürlich nicht zu fahren. Zudem mussten wir immer wieder absteigen, um die schönsten Stellen (und davon gab es sehr viele) in Bildern festzuhalten. 3-Baeche-2012-07-31_11-42-00-0077Selbst kurze "Trickser-Passagen", die erst im 2. Anlauf zu bewältigen sind, waren enthalten. Absolut traumhaft. Einige wenige Wanderer kamen uns entgegen, die uns mit großen fragenden Augen angesehen haben. Man konnte erkennen, dass sie uns für ziemlich verrückt hielten.

Schließlich mündete der Bayehon in die Warche und es begann die Zeit der Bachdurchfahrten. Am Ufer der etwas breiteren Warche verläuft ein Schotterweg, der sehr gut fahrbar ist. Immer wieder hatten wir die Wahl, entweder trockenen Fußes über schmale Bretterbrücken diverse Bäche zu queren oder einfach den direkten Weg unter Inkaufnahme von nassen Füßen zu nehmen. Dreimal dürft ihr raten, für welche Möglichkeit wir uns meistens entschieden haben. Kilometerlang konnten wir im weiteren Verlauf die Warche runter "die Kuh fliegen lassen", ohne nennenswerte fahrtechnische Herausforderungen meistern zu müssen, ehe wir schließlich in dem kleinen Dörfchen Bévercé das Ende der ersten Downhill-Passage erreichten. Nach knapp 30 Kilometern war es jetzt Zeit, für eine leckere Tasse Kaffee. Glücklicherweise fanden wir in dem kleinen Dörfchen ein Hotel-Restaurant, das geöffnet hatte. Hier fanden wir auch Zeit, uns einmal über unsere ersten Eindrücke auszutauschen. Joe meinte: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der zweite Teil noch eine Steigerung darstellen kann. Wir haben doch bis jetzt alles gehabt, was Mountainbiken ausmacht." Er sollte sich irren.

3-Baeche-2012-07-31_11-47-06-0133So gestärkt nahmen wir den nächsten langen Uphill in Angriff und die Stärkung konnten wir auch gut brauchen. Die nächsten 2 Kilometer geht es sehr steil bergauf. Zuerst auf Asphalt, dann auf einem Waldweg und zum Schluß zur Krönung auf einem mit Steinen und Ästen durchsetzten Pfad. Dass es3-Baeche-2012-07-31_11-38-04-0067 auf den ersten Kilometern so steil hochgeht, hat aber nicht nur Nachteile, sondern auch den nicht unerheblichen Vorteil, dass der Rest des 2. Anstiegs eher mit moderaten Steigungsprozenten versehen ist. Das gilt bis auf eine kurze Passage, die uns tatsächlich vom Rad zwang. Der Rest ist dann wieder Naturgenuß pur, ehe wir bei Kilometer 38 erstmals auf den dritten Bach, die Hoegne stießen. Wieso erstmals? Tja, weil wir eben nicht sofort der Hoegne talabwärts folgten, sondern zuerst noch mal ein paar Höhenmeter machten und das hat seinen besonderen Grund. Aus früheren Touren wussten wir, dass parallel zur Hoegne etwas oberhalb ein schöner Wiesentrail verläuft, der dann in ein kurzes Stück mit schwierigen Wurzelpassagen übergeht und schließlich in einem steindurchsetzten, reifenmordenden steilen Downhill endet. Und genau den nahmen wir. Übrigens, an unseren Reifen ist nichts passiert ;-). Einen Teil dieses letzten Streckenabschnitts sind wir schon bei der "Schneewittchen-Tour" gefahren. Etwas oberhalb der Hoegne endete der Downhill und wir blieben auch oberhalb. Warum? Weil dadurch ein paar Hundertmeter weiter kurz hinter der uns mittlerweile bekannten Wanderhütte gleich wieder ein toller Downhill folgt. Über die dicken Steine kann man drüberfliegen. Allerdings gibt es mitten im Downhill eine sehr schlammige Passage. Nach Regentagen sollte man hier aufpassen, dass das Vorderrad nicht plötzlich stehenbleibt, denn das könnte unangenehme Folgen haben ;-). Diese ruppige Bergab-Passage geht dann schließlich in eine rasante Asphaltabfahrt über und endet ganz unten an der Hoegne. 

3-Baeche-2012-07-31_14-57-22-0333Jetzt hieß es erstmal Arme und Beine ausschütteln, ehe wir uns nach einer Wasserquerung (was auch sonst?) daran machten, die letzten Kilometer der Hoegne weiter zu folgen. Es sind von dort aus noch 5 Kilometer und wir spekulierten kurz darüber, dass wir in längstens 30 Minuten wieder am Startpunkt waren. Dass es ca. doppelt so lange wurde, konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht wissen. Und das lag ganz einfach einmal an der Schönheit der letzten Kilometer, aber auch (zum wiederholten Mal) an den fahrtechnischen Herausforderungen. Immer wieder mussten wir absteigen, aber nicht, weil es nicht fahrbar war, sondern um die schönsten Stellen zu fotografieren. Am Schluß dieser Passage war ich fix und fertig. Mann, kann konzentrieren anstrengend sein.

3-Baeche-2012-07-31_15-54-03-0137Zum Dessert gab es dann noch einen Kilometer Flowtrail, ehe Joe nochmal kurz durchs Wasser musste. Am Startpunkt angekommen konnten wir immer noch nicht so richtig glauben, in welchen Genuß wir in den vergangenen 5 Stunden gekommen waren. Ihr hört, ich bin immer noch restlos begeistert. Es hat einfach alles gepasst. Es war nicht zu kalt und auch nicht zu warm. Mit Joe, meinem Begleiter auf mittlerweile vielen Tour, bin ich gedanklich, gefühlsmäßig und fahrtechnisch auf einer Ebene (vielen Dank nochmal, Joe) und auch das Bike mit 120mm Federweg und dem vorne auf einer breiten Felge und mit niedrigem Luftdruck montierten äusserst gripstarken Continental Baron in 2,3" war das genau passende.

Wer keine Wurzeltrails oder kurze Tragepassagen mag, sollte die Finger vom Nachfahren lassen. Allen anderen kann ich nur empfehlen, sich mal diese Tour zu gönnen. Es gibt nichts besseres in unserer Gegend. Ein Traum! 

3-Baeche-2012-07-31_15-54-03-0137Und zum Schluß noch eine kleine Begebenheit am Rande. Nach unserer Tour hatten wir uns noch zu einer Portion Pommes und/oder einer Tasse Kaffee in Sart-Lez-Spa, einem kleinen Dörfchen in dem Joe logierte, verabredet. Leider aber hatten die beiden Fritterien und auch die beiden Cafés geschlossen und wir standen ratlos auf dem Marktplatz. Plötzlich ertönte ein lautes Klingeln. Als wir uns umsahen, entdeckten wir einen mobilen Eisverkäufer, der gerade auf den Marktplatz fuhr. Der kam uns natürlich wie gerufen. Ihr seht, an diesem Tag hat einfach alles gepasst.

Route-3-BaecheDie Bilder könnt ihr euch hier ansehen. Wie ihr mit dem Auto zum Startpunkt kommt und wo ihr Bäcker, Pommesbude und Supermarkt findet, habe ich euch rechts im Bild aufgemalt. Den Track erhaltet ihr mit diesem Klick. Ich wünsche euch genausoviel Spaß wie wir ihn hatten. 

Kommentare   

Guest
0 #5 Guest 2013-07-20 21:22
Sensationelle Tour, abwechselungsre ich und tolle Dramaturgie. Teilweise anspruchsvoll aber nie unfair. Gerade auch die letzten 12 km waren ein absolutes Highlight. Material wird da nicht besonders geschont. Auf der noch nicht erfundenen Biker-Glücksska la eine glatte G7. Haben uns heut früh zu zweit von Jüchen aus aufgemacht und einen (zitiere Manni) großartigen Biketag erlebt-Danke Reinhard für diese Super-Tour.
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Manni Joerißen
0 #4 Manni Joerißen 2013-07-08 12:45
Ich bin die Runde gestern bei strahlendem Sommerwetter gefahren und muss sagen: GROSSARTIG!!! Ich kann jedes Wort aus dem Bericht bestätigen. Hier lacht das Herz des spielfreudigen MTBlers und weder Material noch Fahrer werden geschont. Ich empfehle auf jeden Fall ein Fully sowie breite Reifen mit SnakeSkin. Warmes Wetter ist auch ganz hilfreich, denn dann machen die zahllosen Wasserdurchfahr ten noch mehr Spaß!
Vielen Dank an Reinhard für diesen phantastischen Track!
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Thomas Kutz
0 #3 Thomas Kutz 2012-08-05 23:11
Hallo Ihr beiden,

mir geht's wie Manuel, hört sich nach einem sehr schönen Tag an und die Bilder sind umwerfend. Bin gestern und heute nach meinem Hexenschuss wieder gefahren und es hat gut geklappt. Es wird aber noch lange dauern, bis ich 1.000 Ardennen-Höhenm eter wieder fahren kann.

LG Thomas
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Johannes Smets
0 #2 Johannes Smets 2012-08-01 20:05
Hallo Reigi,

bevor ich mich jetzt 20 mal bedanke für die Planung und die nette Begleitung einfach nur soviel:

MEHR MTB GEHT NICHT !!!!! zumindest für mich.

Es war ein wundervoller Tag - Danke mein Freund - die Tour werde ich so schnell nicht vergessen.

Es gibt weniger solcher Tage und wir hatten das Glück und durften ein Teil davon sein.

LG Joe
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Manuel Petersen
0 #1 Manuel Petersen 2012-08-01 16:16
Ich sitzt hier gerade im Labor an meinem Schreibtisch und muss sowas hier lesen. Das demotiviert mich gerade mächtig. Aber die Trails laufen ja nicht weg. Hört sich auch an als wäre das eine geeignete Testtour für unser Vorhaben im September.

Nachtrag:
Nachdem ich mir auch noch die Bilder angeschaut habe reichts für heute. Ich mach Feierabend. Wenigstens darf ich heute den Rückweg auf dem Rad machen.
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