Wir schreiben Februar 2016. Ich möchte euch heute mal auf eine Reise durch die vergangenen sehr bemerkenswerten 10 Monate in meinem Mountainbiker-Leben mitnehmen.

April 2015:
Markus stellt mir seine neue Partnerin Michaela vor. Michaela ist sehr sportlich und möchte mal ausprobieren, ob ihr Markus' Hobby, das Mountainbiken auch gefällt. Ich leihe ihr mein Canyon All-Mountain für eine gemeinsame Tour. Ihr gefällt es so gut, dass sie mich fragt, ob ich ihr nicht das Bike verkaufen möchte. 

Mai 2015:
Ich werde zukünftig nicht mehr die Kniffeltrails runterfahren. Erstens, weil man mit zunehmendem Alter ja "risikobewusster" wird. Zweitens muss man, um Kniffeltrails fahren zu können, zuerst mal rauf und in meinem Alter fällt es mir von Jahr zu Jahr schwerer, rauf zu kommen. Das All-Mountain wiegt knapp schwere 14 Kilo. Es hat zwar 140 mm Federweg vorne und hinten, aber ich werde ja zukünftig keine kniffligen Trails mehr fahren (können). Also entscheide ich, es an Michaela zu verkaufen und mir zusätzlich zu meinem 26" Scott Spark ein leichtes 29er für Touren zu kaufen. Es wird übrigens wieder ein Canyon und zwar ein Nerve.

Juni 2015:

Manni hat zur Nideggener Trailjagd geladen. Ich stelle fest, dass mein Scott Spark zwar leicht und gut den Berg hoch zu bewegen ist, aber mit seiner Geometrie und seinen 120 mm Federweg auf den anspruchsvollen Trails unterhalb der Nideggener Burg hoffnungslos überfordert ist. Ich will mein All-Mountain zurück!

Juli 2015: Im Zuge der Überarbeitung der Webseite habe ich einen neuen Menüpunkt "Community" eingefügt. Unter anderem erstelle ich eine neue Facebook-Seite "MTB-Heinsberg" und schaffe mit dem LastMinuteBiking eine Möglichkeit, dass jeder Interessierte sich bei unseren Biketouren anschließen kann.

 

August 2015:

Diese beiden Maßnahmen sorgen dafür, dass ich viele neue Biker kennenlerne. Unter anderem meldet Janine sich. Janine fährt erst seit kurzem und ist sehr wissbegierig und auch ein wenig risikobereit.

Oktober und November 2015: Neben Janine stoßen auch noch weitere Jungs (und natürlich auch Mädels) dazu. Einige der Jungs sind ihrem jugendlichen Alter entsprechend natürlich risikobereiter. Es stellt sich aber auch heraus, dass einige neben der Risikobereitschaft auch noch fahrtechnisch ganz gut unterwegs sind. Janine stösst bei einigen gemeinsamen Touren an die physischen Grenzen ihres Hardtails. Ich leihe ihr an einigen Tagen mein Scott Spark obwohl es ihr eigentlich zu groß ist. Damit merkt sie, wieviel mehr Spaß ein vollgefedertes Bike bringt. Wir machen uns auf die Suche nach einem Fully für Janine. Außerdem stellt sie mir Fragen zur Fahrtechnik, die mich dazu zwingen, mich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Im Zuge meiner Recherchen merke ich, dass ich da trotz langjähriger Mountainbike-Erfahrungen wohl auch noch die eine oder andere Baustelle habe. Dass meine bisherigen Empfehlungen manchmal mit Vorsicht zu genießen sind, merke ich auf der "Mädels-only-Tour" als Janine meinen Ratschlag "Geschwindigkeit bringt Sicherheit" mit einem deftigen Crash bezahlt. Glücklicherweise ist ihr außer ein paar Prellungen nichts passiert. Trotzdem habe ich danach einiges zu tun, um das Trauma zu bewältigen.

Dezember 2015:

Ein weiterer Markus bringt mich auf eine Idee mit seiner Aussage, dass er in 2016 mal gerne ein Enduro-Rennen fahren möchte. In unserer Region gibt es einige kniffelige Stellen. So zum Beispiel der Downhill zum Schaagbach. Manni, der in den letzten Jahren häufiger an der Ahr unterwegs war und auch einige Fahrtechnik-Seminare absolviert hat, zeigt wie "Hinterrad versetzen" in der Praxis aussieht. Beeindruckend, das will ich auch lernen. Bei weiteren Erkundungstouren stoße ich immer wieder mal an meine fahrtechnischen Grenzen.

 

Januar 2016:

Janine hat inzwischen ihr Ideal-Bike gefunden. Bei Kommentaren zu einer Tour stelle ich fest, dass meine bisherigen Fahrtechnik-Empfehlungen wieder mal nicht ganz das "Gelbe von Ei" waren. Es wird höchste Zeit, mich mit dem Thema intensiver zu beschäftigen, selbst auf meine alten Tage. Es ist so, als ob Manni meine Gedanken gelesen hat. Ich bekomme eine Mail von ihm:

hallo Reinhard,

ich bin diese Woche mit Stefan gefahren und er hat sich für 2016 zum Ziel gesetzt, das Umsetzen in Spitzkehren zu erlernen. Da du ja auch mal davon gesprochen hattest, habe ich ihm von deiner Idee erzählt, über die wir letztens geschrieben hatten. Also er wäre bei einem Kurs gerne dabei, und ich würde sowas auch nochmal mitmachen.

Und wenige Tage später stoße ich auf das Editorial "lebensverlängernde Maßnahmen" von Gitta Beimfohr der Ausgabe 02/16 in der Zeitschrift "bike", das noch das Pünktchen auf das i tüpfelt. 

„Schon wieder ein Jahr rum!“ Haben Sie sich diesen Satz in den letzten Wochen auch mal sagen hören? Dann sind Sie wahrscheinlich über 30 Jahre alt, haben einen festen Job und benutzen auch gern Weisheiten wie „Es kommt, wie es kommt“, oder „Es ist, wie es ist“. Sprich: Sie lassen das Leben entspannt auf sich zu plätschern – und damit übrigens auch an sich vorbeirauschen.
Warum die Zeit mit dem Alter immer schneller zu vergehen scheint? Psychologen haben dafür eine ziemlich griffige Erklärung: Je älter man wird, desto weniger „Das erste Mal“-Erlebnisse hat man. Doch eben diese funkensprühenden Momente, die wie eine Axt Spuren ins eigene Kerbholz hacken, besitzen die Kraft, die innere Uhr anzuhalten. So, wie etwa der erste Kuss auf dem Pausenhof – was war das für ein Donnerschlag! Oder auch der erste wirklich schmerzhafte Sturz mit dem Mountainbike! Ich erinnere mich noch gut: Bei mir war das eine besonders peinliche Schleuderfigur kurz vor der Dual-SlalomZiellinie, welche meine gerade erst gestartete Rennkarriere abrupt beendete.

Solche Erst-Erfahrungen brennen sich tief ins Gedächtnis ein. Und genau das, so die Experten, lässt die Lebensenergie deutlich langsamer durch die Sanduhr rieseln. Und wie kann nun ein Mountainbiker sein Leben subjektiv verlängern? Einmal im Monat eine noch völlig unbekannte Tour fahren? An einem Nachtrennen teilnehmen? Mal fremdgehen und das enge Lycra gegen den Downhill-Panzer tauschen? Ein Wochenende mit Schlafsack und Stirnlampe in die Wildnis ziehen? Natürlich gilt: je außergewöhnlicher das Ereignis, desto länger wird man davon zehren können.

Also dann mal los, was Neues probieren und die mir noch verbleibende Zeit in meinem Bikerleben möglichst lebensverlängernd nutzen. 4 Mitbiker waren auch noch sehr interessiert, sich fahrtechnisch weiter zu entwickeln und so haben wir kurzentschlossen für die 2. Aprilhälfte einen individuellen Kurs "Spitzkehren fahren" bei einem professionellen Fahrlehrer vereinbart. Bis dahin möchte ich aber mit dem Fahrtechnik-Training nicht warten. Und außerdem kann ich mich ja auch in anderen Bereichen wie nur "Spitzkehren fahren" verbessern. Es gibt doch einige Videos im Netz. Mal schauen, ob da etwas Brauchbares dabei ist. Und jetzt haben diejenigen, die sich fahrtechnisch verbessern wollen, auch etwas davon. Ich habe einen neuen (Unter-)Menüpunkt "Fahrtechnik" unter dem (Ober-)Menüpunkt "Zum Informieren" angelegt.  Dort habe ich bereits einige Fundstücke hinterlegt und es werden zukünftig noch weitere hinzukommen.

Februar 2016:

Wenn also demnächst (hoffentlich) die Software vorhanden ist, sollte auch die Hardware entsprechend sein. Ein weiteres, anderes Bike muss her. Es sollte sich natürlich vom Touren-Bike Canyon Nerve unterscheiden. Für das, was ich zukünftig vorhabe, sollte es also so ca. 140 mm Federweg haben. Grundsätzlich entscheidend ist aber die Geometrie. Beim Bike, das ich an Michaela verkauft hatte, fühlte ich mich so stark integriert, dass ich beim Aufsitzen manchmal zuerst geprüft habe, ob die Sattelhöhe richtig eingestellt war. So etwas wollte ich wieder haben, weil ich mich sehr sicher darauf gefühlt habe. Wie ich inzwischen weiß, hat diese Geometrie leider den Nachteil, dass bergauf zu fahren durch die Sitzposition nicht ganz so leicht geht. Und, ihr erinnert euch, das war ja eigentlich meine Baustelle. Vielleicht hatte sich mit den 2016er Modellen etwas getan und wenn nicht, bliebe ja immer noch ein E-Bike mit entsprechend viel Federweg. Also habe ich in diesem Monat einige Bikes "probegesessen". Die Möglichkeiten hatte ich ja schon im Zusammenhang mit der Recherche "MTB-Händler und -Schrauber in der Region" erkundet. Es waren tolle Bikes z.B. von Specialized, Cube und Radon dabei. Aber keines bot mir das Gefühl, so "im Bike zu sitzen" wie auf dem alten Canyon AM. Am Mittwoch habe ich mich dann entschlossen, mal 3 Stunden Autofahrt auf mich zu nehmen, um bei Canyon in Koblenz verschiedene Räder probezufahren. Vielleicht war da eines bei. Im Vorfeld hatte ich mir das Spectral mit 140mm Federweg ausgeguckt. Aber auch das Strive wollte ich mal probieren. Ich wurde zunächst vermessen, dann wurden meine Daten in ein Computer-Programm eingegeben und die voraussichtlich passende Größe des jeweiligen Bikes ermittelt. Das Programm schlug zusätzlich kleinere Anpassungen wie Vorbaulänge, Spacer und Lenkerbreite vor. Dann ging es ans Probefahren. Zuerst mal 3 Bikes (Spectral, Strive Race und Strive) in Größe "M". Die Strive haben beide ein System namens "Shapeshifter". Damit kann man vom Lenker aus 2 Positionen einstellen. Im Downhill-Modus verändert sich gegenüber dem XC-Modus der Lenk- und Sitzwinkel um jeweils 1,5 Grad und das Tretlager sinkt um 20mm nach unten. Außerdem hat der Hinterbau 160mm Federweg gegenüber 135mm im XC-Modus. Auf MTB-News gibt es einen interessanten Artikel dazu. Und kaum hatte ich vom XC- in den Downhill-Modus umgeschaltet, wusste ich, dass ich mein zukünftiges Bike gefunden hatte. Ich saß "im Bike". Dass es im XC-Modus auch noch besser nach oben zu pedalieren ist, nehme ich natürlich sehr gerne als Zugabe. Da ich mit meinen Körperdaten knapp an der unteren Grenze zu Größe "L" liege, wurden danach auch noch das Spectral und das Strive in Größe "L" geholt und auf mich angepasst. Das Spectral war eigentlich schon aus der Auswahl rausgefallen, weil es kein Shapeshifter-System hat. Trotzdem habe ich es aber nochmal probiert. Letztendlich habe ich mich für das Strive in "L" entschieden. Darauf habe ich mich am wohlsten gefühlt. Leider muß ich bis Mai warten, bis es geliefert wird. Aber Vorfreude ist bekanntlich eine der schönsten Freuden. Im Artikel "MTB-Händler und -Schrauber in der Region" habe ich schon deutlich gemacht, dass ich ein "Probesitzen" (besser noch "Probefahrt") für unerlässlich beim Bikekauf erachte. Ein Bike muß passen wie ein guter Schuh. Das habe ich wieder einmal eindrucksvoll bestätigt bekommen. Ehe ich es vergesse. Die Beratung bei Canyon empfand ich auch über die Möglichkeit hinaus, so viele Räder probefahren zu können, als sehr gut und kompetent. Der Berater wusste, wovon er sprach. 

Ihr könntet jetzt vielleicht den Eindruck haben, dass ich zukünftig möglichst schnell irgendwo runterballern möchte. Dem ist aber nicht so, sondern mir geht es eher darum die Fähigkeit (Software) und das Gerät (Hardware) zu haben, technische Trails sicher fahren zu können.

In dem Sinne:     It's never too late to have a happy childhood (Tom Robbins).

Update 12.04.2016: Canyon war 3 Wochen früher wie avisiert. Das Bike ist da. Bilder gibt es unter diesem Link.