2018 09 04 Burscheid 03

#3 (04.09.2018) E-Bike-Test in Burscheid

In Uwes Urlaub waren wir gestern wieder in Burscheid. Also "same location", aber "different bikes". Wir haben uns E-MTBs geliehen und ausprobiert.

Uwes Sicht der Dinge:

Auf unserer letzten Tour in Burscheid besuchten wir anschließend noch dort den Campana Radsport Laden, um Freundschaften zu pflegen, aber auch, um uns die neuen Bikes in Sachen "E" auf dem Markt anzusehen.
Bisher stand ich der Sache recht neutral gegenüber und war mir dessen bewusst, dass ich doch weniger Mitfahrer haben würde, gäbe es nicht diese Bikes.
Reinhard wollte speziell sein Levo gegen das mit dem Shimano ausgestatteten Focus Jam vergleichen. Und weil ich ja zur Zeit Urlaub habe, wollte ich gleich mit ihm meine ersten Gehversuche auf einem E-Bike machen.
Gesagt, getan; um 10 Uhr öffnete heute der Laden, Setup der Bikes, kurze Einweisung und schon rollen wir zur ersten Stage, die wir uns ausgeguckt haben. Sven hatte uns 2 Bikes zur Probefahrt zur Verfügung gestellt, wir wollten das Specialized Levo im Trail gegen das Focus Jam testen. Tester hierfür Reinhard, der schon einige Jahre das Levo fährt und ich als absoluter Newbie.

Ich startete auf dem Levo in den Tag. Dazu ist eigentlich nur zu sagen: Drauf setzen und losfahren. Standard sind drei Stufen der Unterstützung, hat man sehr schnell raus, was wann am besten hilft ;-). Bei dem Levo merkt man gerade in den unteren Drehzahlbereichen die Unterstützung, so das aus dem Stand recht flüssig die Fahrt in den Trail beginnt. Ab dem mittleren Bereich der Unterstützung fangen Uphills für mich an, Spaß zu machen.

In der zweiten Hälfte ging es dann auf das Focus, für mich in der Geometrie ähnlich wie das Levo und auch wie mein eigenes Fully. Hier merkt man gleich, das es sich um ein anderes System handelt. Ähnlich wie beim Levo beginnt die Unterstützung gleich beim los fahren, hält aber während der gesamten Drehzahlbreite an. Hat mir persönlich besser gefallen. Preis dafür ist wohl, das der etwas kleinere Akku bei unserer heutigen Probefahrt nach rund 35 Kilometern leer war, das Levo hatte hingegen noch ca. 40 % der Ladung.

Mein Fazit:
Ein E-Bike wäre bei passendem Geldbeutel sicher eine spaßige Bereicherung in meinem Fuhrpark. Ich habe meine Daten nicht ausgewertet, aber ich weiß, so ein Bike fährt sich nicht von allein, ich habe ganz normal geschwitzt. So ein Bike macht für mich Sinn, würde spätestens in ein paar Jahren gerne darauf zurück greifen. Spaßfaktor ist extrem hoch. Wer den Sport einzig aus diesem Aspekt betreibt, ist hier genau richtig.

Ergänzend dazu noch meine eigenen Gedanken:

Ich habe mittlerweile ca. 1,5 Jahre und ca. 12.000 km Erfahrung mit dem Specialized Levo hinter mir. Aber auch andere Mütter haben hübsche Töchter. So hatte ich über den Shimano-Motor viel Positives gelesen und wollte mir selbst ein Bild machen. Vor allem interessierte mich, ob er genauso leise ist wie der im Levo verbaute Brose-Motor. Darüber hinaus gefiel mir die schlanke Silhouette des Focus Jam² und ich wollte im Gelände erkunden, ob ich mich ähnlich wohl fühle wie auf dem Levo. Hier meine Eindrücke in Kurzform (die wie immer mal wieder etwas länger geworden ist):

• Der Shimano-Motor im Focus heult gerade bei höheren Drehzahlen für mein Empfinden ziemlich laut. Im unteren Drehzahlbereich ist er ähnlich leise wie der Brose. Beide sind vom Geräusch her aber wesentlich leiser wie der im Giant verbaute Yamaha-Motor, den ich Anfang 2017 probegefahren bin.
• Vom Ansprechverhalten unterscheiden sich Shimano und Brose. Der Shimano fühlt sich so an, als ob er umso stärker unterstützt, je kräftiger man in die Pedale tritt (was natürlich auf Kosten des Akkus geht). Der Brose unterstützt da eher sanfter.
• Das Jam² hat einen kleineren Akku (386Wh) gegenüber meinem Levo (460Wh). Die Reichweite des Akkus ist natürlich abhängig von vielen verschiedenen Faktoren. Fakt ist, dass der Akku des Focus nach ca. 35 Kilometern fast leer war und der des Levo noch ca. 40% hatte. Allerdings bietet Focus die Möglichkeit, einen 2. Akku auf dem Oberrohr anzubringen und dadurch die Kapazität zu erhöhen. Damit verbunden ist allerdings der Verlust der so schönen Optik und des Flaschenhalters. Auch der Schwerpunkt des Bikes und das Fahrverhalten soll sich dadurch nicht unerheblich verändern.
• Mit der Akku-Kapazität eng verbunden ist die Möglichkeit, die Stärke der jeweils vorhandenen 3 Unterstützungsstufen zu ändern. Beim Levo kann man das genau feintunen. Seit Anfang 2018 ist das auch beim Shimano-Motor möglich, allerdings nicht ganz so individuell wie beim Levo und nur in den Stufen 2 und 3. Die Stufe mit der niedrigsten Unterstützung ist also nicht anpassbar. Und gerade dort sehe ich persönlich die größte Möglichkeit Akku zu sparen, weil der Großteil der Tour normalerweise in diesem Modus gefahren wird.
• Ich weiß, dass ich mit einer Akkufüllung meines Levo Touren zwischen 50 und 100 Kilometern Länge und bis zu ca. 1500 Höhenmetern schaffe und das sind auch die Touren, die ich am häufigsten fahre. Mit der kleineren Akku-Kapazität des Jam² wären diese ohne Aufladen oder 2. Akku so nicht möglich.
• Das Display des Shimano Motors ist klein, gut ablesbar und rechts neben dem Vorbau unterhalb des Lenkers angebracht. Die wichtigsten Infos wie km/h, Unterstützungsstufe und eingelegter Gang, sowie die Akkustand werden angezeigt. Was mich störte ist, dass der Kapazität des Akkus nur mit 5 Balken, also jeweils 20% angezeigt wird. Beim Levo sind es 10 Balken, also jeweils 10%. Wer es noch genauer angezeigt bekommen möchte, muss beim Levo allerdings auf externe Lösungen oder die Anzeige in der App (Mission Control von Specialized oder Apps unabhängiger Entwickler) auf dem Smartphone zurückgreifen.

Unabhängig von Motor und Akku hatte ich noch ein paar zusätzliche Anmerkungen:
• Auf dem Levo fühle ich mich integrierter, mehr IM Bike (kann aber natürlich auch mit der Gewöhnung zu tun haben).
• Das Focus Jam² fühlt sich insgesamt etwas leichter an.
• Beide Testbikes waren eher aus der unteren Preiskategorie. So war z.B. an beiden Bikes als Gabel eine Rock Shox Revelation verbaut, die Uwe und ich unabhängig voneinander als zu unsensibel empfanden. Ich konnte auch im Vergleich zu der in meinem Levo verbauten Rock Shox Yari feststellen, dass die Revelation auf ruppigen Trails hoffnungslos überfordert ist. Sie verwindet sich spürbar. Für Feldwege und einfache Trails dürfte sie reichen.
• Auf den Laufrädern des Levo waren Reifen in einer Breite von 2,3" verbaut (Specialized Purgatory vorne und Ground Control hinten). Diese sind deutlich zu schmal für anspruchsvollen Trails wie man sie in Burscheid findet. Im Gegensatz zu den in den hochpreisigeren Levos verbauten 2,8" breiten Specialized Butcher, den ich auch auf dem Vorderrad meines Levos aufgezogen habe, fehlt es sehr spürbar an Grip und Kurvenhalt.
• Die elektronische Shimano Di2-Schaltung (am Jam²) funktioniert einwandfrei. Könnte ich mich dran gewöhnen.
• Dem Test-Levo fehlte eine absenkbare Sattelstütze. Man merkt erst, wie sehr man sich inzwischen an die Dropper-Post gewöhnt hat, wenn sie plötzlich fehlt.

Fazit: Da ich sehr viel Wert auf einen leisen Motor und eine individuelle Anpassung lege, kommt für mich persönlich derzeit nach wie vor nur das Levo in Frage. Warten wir mal die weitere Entwicklung ab. Es bleibt spannend.

Zum Schluß möchten wir uns nochmal sehr herzlich bei Sven, dem Inhaber von Campana Radsport für die Testbikes bedanken. Ist zwar von mir aus ca. 1 Autostunde Fahrt bis Burscheid, aber die lohnen sich. Auswahl, Freundlichkeit und Beratungs-Kompetenz überzeugen.

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